Die TZI ist mehr als eine Methode – sie ist eine Haltung. Eine Art, miteinander zu sein, zu arbeiten und zu lernen. In der Münchner Schreibwerkstatt bildet sie seit Jahrzehnten das Rückgrat jedes Seminars.
Ruth Charlotte Cohn (1912–2010) war eine deutsch-amerikanische Psychoanalytikerin und Pädagogin. Geboren in Berlin, emigrierte sie 1933 zunächst in die Schweiz, später in die USA. Dort entwickelte sie in den 1950er und 60er Jahren die Themenzentrierte Interaktion – eine Methode, die psychotherapeutische Erkenntnisse mit Gruppenarbeit und Pädagogik verband.
Cohn war keine Theoretikerin im Elfenbeinturm. Sie arbeitete mit echten Menschen in echten Gruppen – und ihre Methode ist aus dieser Praxis gewachsen. 1966 gründete sie das Workshop Institute for Living-Learning (WILL) in New York, später kehrte sie nach Europa zurück und prägte hier eine ganze Generation von Pädagogen, Therapeuten und Seminarleiterinnen.
Sie starb 2010 in der Schweiz, im Alter von 97 Jahren – bis zuletzt aktiv, neugierig, lebendig.
Hier kommt noch ein persönlicher Text von Dr. Jürgen vom Scheidt, der Ruth Cohn persönlich kannte und mit ihr zusammengearbeitet hat.
Die TZI ist ein Konzept für lebendiges Lernen und Arbeiten in Gruppen. Ihr Ausgangspunkt: Jede Gruppe bewegt sich in einem Spannungsfeld aus drei gleichwertigen Polen – dem Ich, dem Wir und dem Es. Dazu kommt der Globe – die äußere Umwelt, in der alles stattfindet.
Kein Pol darf dauerhaft vernachlässigt werden. Wenn nur das Thema zählt und die Menschen dahinter unsichtbar bleiben, entsteht kein echter Lernraum. Wenn nur die Gruppe im Mittelpunkt steht und das Thema zur Nebensache wird, fehlt der Fokus. Balance ist kein Zufall – sie muss aktiv hergestellt werden.
Die TZI gründet auf drei philosophischen Grundannahmen, die Cohn „Axiome" nannte. Sie sind keine Regeln – sondern Haltungen.
In der Münchner Schreibwerkstatt ist die TZI kein aufgesetztes Konzept – sie ist die Art, wie wir arbeiten. Jedes Seminar beginnt mit der Frage: Wer ist heute hier? Was bringt jede Person mit? Und wie können wir das gemeinsam nutzen?
Das Schreiben ist das Es – das Thema, das uns verbindet. Die Gruppe ist das Wir – ein Raum, in dem Texte entstehen können, die alleine nicht möglich wären. Und du als Person bist das Ich – mit deiner Geschichte, deiner Stimme, deinem Blick auf die Welt.
Vorlesen ist freiwillig. Feedback ist konstruktiv. Niemand muss sich erklären oder rechtfertigen. Das ist kein Zufall – das ist TZI.